Flughäfen als kritische Infrastrukturknotenpunkte für Zivilschutz, Katastrophenhilfe und Verteidigung

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zu einer dauerhaften Verschlechterung der Sicherheitslage in Europa geführt. Er hat offengelegt, wie verwundbar moderne Gesellschaften sind, wenn zentrale Systeme für Energie, Verkehr und Kommunikation gestört oder angegriffen werden. Pipeline-Vorfälle, Cyberangriffe auf Netze und kritische Infrastruktur sowie Unterbrechungen in der Logistik haben gezeigt, dass Sicherheitspolitik nicht länger vom Schutz der Infrastruktur und dem Funktionieren der Wirtschaft getrennt werden kann.

Die Bundesregierung hat diesen Wandel mit dem Begriff „Zeitenwende“ erfasst, der eine grundlegende Neubewertung von Sicherheitsrisiken und Abhängigkeiten in ganz Europa beschreibt. Die Einrichtung des Sondervermögens für die Bundeswehr ist nur ein sichtbares Ergebnis. Wichtiger noch: Die Situation hat einen umfassenderen Wandel im öffentlichen und politischen Denken ausgelöst. Es besteht nun ein klareres Bewusstsein dafür, dass die nationale Sicherheit von resilienten Energiesystemen, Verkehrsnetzen und Kommunikationsinfrastruktur abhängt und dass diese auch unter Belastung funktionsfähig bleiben müssen.

Generalleutnant a.D. Andreas Hoppe lieferte im November bei einer Veranstaltung der Interessengemeinschaft der Regionalen Flugplätze (IDRF) in Berlin einen aufschlussreichen Beitrag mit dem Titel „Abhängigkeiten einer verteidigungsfähigen, resilienten Gesellschaft von der Verkehrsinfrastruktur – Rolle und potenzieller Beitrag der Regionalflughäfen“.

Die Bundesregierung verfolgt einen integrierten Sicherheitsansatz, der Verteidigung, Resilienz und wirtschaftliche Stabilität als Teile eines verbundenen Systems betrachtet. In dieser Perspektive sind sichere und robuste Lieferketten sowie zuverlässige Transportkorridore nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern Elemente der nationalen und europäischen Sicherheit.

Das Konzept der kritischen Infrastruktur, bezeichnet als KRITIS, bildet den übergreifenden Bezugsrahmen. Es umfasst Einrichtungen und Systeme, deren Ausfall oder Beeinträchtigung erhebliche Störungen des öffentlichen Lebens, der wirtschaftlichen Tätigkeit oder staatlicher Funktionen verursachen würde. Energie, Logistik und Verkehr sowie Kommunikation sind zentrale Säulen innerhalb dieses KRITIS-Verständnisses und sind in den Mittelpunkt politischer und regulatorischer Aufmerksamkeit gerückt.

Dieser konzeptionelle Ansatz wird nun in verbindliches Recht überführt. Im September 2025 hat das Bundeskabinett den Entwurf des KRITIS-Dachgesetzes beschlossen [5]. Das Gesetz definiert die wichtigsten KRITIS-Betreiber in elf Sektoren, darunter Verkehr, und führt sektorübergreifende Mindestanforderungen für physischen Schutz und Resilienz ein. Betreiber müssen Risikoanalysen auf Grundlage nationaler Risikoanalysen durchführen, Resilienzpläne nach dem All-Gefahren-Ansatz erstellen und relevante Vorfälle in ein nationales Überwachungssystem melden.

Für Betreiber und Behörden schafft das KRITIS-Dachgesetz damit einen gemeinsamen Maßstab für Schutzstandards, Risikomanagement und Investitionsentscheidungen in kritische Infrastruktur. Innerhalb dieses Rahmens erweisen sich Flughäfen als besonders sensible Knotenpunkte, da sie Verkehrs-, Logistik- und Sicherheitsfunktionen an einem einzigen Standort vereinen.

Flughäfen als quasi-kritische Infrastruktur

Die sicherheitspolitische Rolle von Flughäfen wird besonders dort deutlich, wo zivile und militärische Nutzungen kombiniert werden. Standorte wie der Flughafen Leipzig/Halle oder der Flughafen Köln Bonn zeigen, wie eng ziviler Luftverkehr, Luftfracht und Militärtransport miteinander verflochten sind. In solchen Fällen ist der Flughafen ein Knotenpunkt in mehreren Netzwerken gleichzeitig [3][4]. Er verbindet Verkehrsströme am Boden und in der Luft, verknüpft Energiesysteme und unterstützt Sicherheits- und Verteidigungsaufgaben. Unterbrechungen an diesen Knotenpunkten würden daher sowohl das zivile Leben als auch die militärische Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Der gepanzerte Transportpanzer Boxer wird am Flughafen Leipzig/Halle für einen Transportflug nach Afghanistan in eine Antonov An-124 verladen. © Bundeswehr / Mandt [7]

Regionalflughäfen nehmen in diesem Zusammenhang eine besondere Position ein. Viele von ihnen sind noch nicht formal als kritische Infrastruktur eingestuft, fungieren aber in der Praxis bereits als solche. Sie sichern die internationale Anbindung für Regionen, ermöglichen medizinische Evakuierungsflüge, dienen als Standortfaktor für Unternehmen und bieten eine beträchtliche Anzahl von Arbeitsplätzen. Studien und parlamentarische Anfragen auf europäischer Ebene unterstreichen diese Rolle und liefern empirische Belege für die Einschätzung von Flughäfen als faktisch kritische Infrastruktur [1][2].

„Europas zahlreiche Regionalflughäfen ermöglichen den internationalen Austausch und verbinden Bürger, Unternehmen und KMU aus ganz Europa mit der Welt. Trotz dieser Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Tätigkeit hat sich die finanzielle Situation der Regionalflughäfen in den letzten Jahren vor allem durch externe Schocks verschlechtert, wie die COVID-19-Krise, globale Turbulenzen im Luftfahrtsektor und Russlands Krieg gegen die Ukraine. Die finanzielle Lage vieler Regionalflughäfen ist düster, bedroht ihre Existenzgrundlage und gefährdet ihre wichtige Rolle für die Gesellschaft und den regionalen Wohlstand.“

– 08.05.2025, Parlamentarische Anfrage, E-001864/2025 [1]

Militärische Operationen als kritische Merkmale

Regionalflughäfen in ganz Deutschland demonstrieren ihre sicherheitspolitische Relevanz durch regelmäßige Unterstützung militärischer Operationen. Der Flughafen Hof-Plauen veranschaulicht diese Rolle besonders gut. Er verfügt über eine vollständige Zulassung als Verkehrsflughafen mit Instrumentenflugfähigkeit, was ihm ermöglicht, sowohl zivilen Verkehr als auch militärische Operationen abzuwickeln. Militärhubschrauber und Transportflugzeuge der Bundeswehr nutzen den Flughafen regelmäßig. Kleinere Hubschrauber führen Übungsflüge nach Sicht- und Instrumentenflugregeln durch und tanken vor Ort. Größere Hubschrauber wie der CH53 und der Black Hawk nutzen den Flughafen Hof-Plauen als Zwischenstopp zum Auftanken. Sie operieren auch von diesem Flughafen aus bei Einsätzen wie der Waldbrandbekämpfung. Übungsflüge mit A400M- und C130J-Flugzeugen, die laut Bundeswehr bis zu achtmal pro Monat stattfinden [8], unterstreichen die Rolle des Flughafens für Verteidigungs- und Krisenbereitschaft.

Der Flughafen Siegerland erfüllt eine ähnliche Funktion und beherbergt regelmäßig A400M-Transportflugzeuge für Übungseinsätze [9]. Diese Beispiele zeigen ein breiteres Muster: Regionalflughäfen mit geeigneter Start- und Landebahninfrastruktur und operativen Fähigkeiten bieten der Bundeswehr ein dezentrales Netzwerk aus Übungsstandorten, Betankungspunkten und potenziellen Einsatzbasen. Diese geografische Verteilung stärkt die operative Flexibilität und verringert die Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl militärischer Luftwaffenstützpunkte.

Trainingsflüge der Bundeswehr am Airport Hof-Plauen [8]

Die Kombination aus ziviler Zulassung, professioneller Bodenabfertigung und ausreichender Start- und Landebahnlänge macht diese Flughäfen für militärische Nutzung attraktiv, ohne dass dedizierte militärische Infrastruktur erforderlich ist. In Friedenszeiten unterstützen sie routinemäßiges Training und Logistik. In Krisensituationen können sie als alternative Knotenpunkte dienen, wenn primäre militärische oder zivile Flughäfen mit Kapazitätsengpässen, technischen Störungen oder Sicherheitsvorfällen konfrontiert sind. Dieses Dual-Use-Potenzial positioniert Regionalflughäfen als integralen Bestandteil der nationalen Verteidigungsinfrastruktur, auch ohne formale Einstufung als militärische Einrichtungen.

Kritische Knotenpunkte für Zivilschutz und Katastrophenhilfe

Über ihre Rolle für die Streitkräfte hinaus sind Regionalflughäfen und Flugplätze auch wichtige Knotenpunkte für zivile Hubschraubereinsätze und solche der Strafverfolgungsbehörden. Landespolizeien, die Bundespolizei sowie Luftrettungsbetreiber wie ADAC Luftrettung und DRF Luftrettung nutzen regionale Flugplätze als Betankungspunkte, Übungsstandorte und vorgeschobene Einsatzbasen. Im täglichen Betrieb ermöglicht dies schnelle Reaktionen auf Verkehrsunfälle, medizinische Notfälle sowie Such- und Rettungseinsätze in ländlichen Gebieten.

Ein prominentes Beispiel ist der Flugplatz Koblenz-Winningen, wo die Polizeihubschrauberstaffel (PHuSt) von Rheinland-Pfalz seit den 1970er Jahren stationiert ist. Von dort aus werden moderne Mehrzweckhubschrauber für Sucheinsätze, Verbrechensbekämpfung, Umwelt- und Verkehrsüberwachung, den Transport von Spezialkräften sowie zur Unterstützung der Luftrettung und Brandbekämpfung eingesetzt. Eine hauseigene Wartungskapazität hält die Flotte mit minimalen externen Abhängigkeiten einsatzbereit [10].

Eurocopter EC135 der Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz (PHuSt) am Flugplatz Koblenz-Winningen [10]

Doch der strategische Wert von Regionalflughäfen reicht über Hubschraubereinsätze hinaus. Die Verfügbarkeit befestigter Start- und Landebahnen ermöglicht es Regionalflughäfen, Flächenflugzeuge für zeitkritische Einsätze abzufertigen, die Hubschrauber nicht effizient durchführen können.

Organ- und Patiententransportflüge werden regelmäßig von Regionalflughäfen aus durchgeführt. Der Flughafen Hannover, wo die AeroWest GmbH 60 Prozent aller deutschen Flüge für die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) abwickelt, ist ein prominentes Beispiel [16][17].

Die DRF Luftrettung führt ähnliche Einsätze vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden aus durch [18]. Diese Einsätze retten Leben, indem sie ein dezentrales Netzwerk von Abflugpunkten aufrechterhalten, das Transportzeiten verkürzt und geografische Redundanz bietet, wenn größere Drehkreuze mit Kapazitätsengpässen oder Störungen konfrontiert sind.

Die DRF Luftrettung rettet Menschen im Ausland über die regionale Luftrettung hinaus. Die Learjets, besetzt mit erfahrenen Piloten und medizinischen Teams, starten vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden zu weltweiten Einsätzen [18].

In Krisenszenarien wird diese Start- und Landebahnkapazität noch kritischer. Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, Deutschlands verheerendste Naturkatastrophe seit der Hamburger Sturmflut von 1962, zeigte, wie schnell Flugplätze zu Logistikzentren hochskaliert werden können. Am Flugplatz Bad Neuenahr-Ahrweiler (Bengener Heide) transportierten Hubschrauber Flutopfer aus dem oberen Ahrtal und brachten Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete [11]. Bei Bedarf hätte die Start- und Landebahn auch größere Transportflugzeuge für den Transport von Massengütern oder Massenevakuierungen aufnehmen können.

Da der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse erhöht, wächst die potenzielle Rolle von Regionalflughäfen bei der Krisenbewältigung weiter. Der Waldbrand in der Sächsischen Schweiz 2022 verdeutlicht die sich verändernde Bedrohungslage. Dieses Feuer, das im Juli und August 2022 113 Hektar im Nationalpark Sächsische Schweiz und über 1.000 Hektar im benachbarten Nationalpark Böhmische Schweiz verbrannte, erforderte umfangreiche Unterstützung durch Löschflugzeuge [21].

Während Deutschland traditionell auf hubschraubergestützte Brandbekämpfung setzt, könnten größere Löschflugzeuge wie die Canadair CL-415, die in südeuropäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und Kroatien weit verbreitet sind [22], von Regionalflughäfen aus operieren, wenn sich die Waldbrandmuster weiter intensivieren. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden; entscheidend ist die Einsatzbereitschaft und die Integration in die Zivilschutzplanung.

A Croatian Air Force CL-415 during fire season [21].

Diese doppelte Kapazität für Hubschrauber und Flächenflugzeuge positioniert Regionalflughäfen als flexible Knotenpunkte in einem resilienten Notfallreaktionssystem. Sie bieten nicht nur Bereitstellungsräume für Hubschrauber, sondern auch funktionsfähige Start- und Landebahnen, die umgeleiteten Verkehr aufnehmen, Hilfslogistik abwickeln und Evakuierungsmissionen unterstützen können, wenn primäre Drehkreuze überlastet oder unzugänglich sind. Diese Rolle geht weit über alltägliche kommerzielle Funktionen hinaus und etabliert Regionalflughäfen als praktisches Rückgrat des Zivilschutzes und der Katastrophenhilfe.

Energieresilienz und ausreichende Netzanschlusspunkte

Diese Anerkennung stärkt die Position von Flughäfen in der Kommunikation mit Netzbetreibern und Planungsbehörden, da sie ihre wesentliche Rolle für die Versorgungssicherheit und Notfallreaktion unterstreicht. Jüngste gesetzliche Entwicklungen spiegeln diese sich herausbildende Rolle wider und bieten eine formale Grundlage für Flughäfen, sich als Energie- und Sicherheitsknotenpunkte zu positionieren.

In den Bereichen Energie und Wasserstoff wird nun stärker auf Sicherheitsinteressen und die Robustheit der Versorgung geachtet. Änderungen des Energiewirtschaftsgesetzes zielen darauf ab, die Integration von Speicheranlagen zu erleichtern, während Änderungen im Baurecht, insbesondere im Baugesetzbuch, großflächige Speicheranlagen mit Kapazitäten über 1 MWh sowie unterirdische Wärme- und Wasserstoffspeicher im ländlichen Raum privilegieren sollen [6]. Für Flughäfen eröffnet dies die Möglichkeit, Energieprojekte zu planen, die nicht nur wirtschaftlich attraktiv sind, sondern auch als Beiträge zur nationalen Resilienz anerkannt werden.

Eine A400M landet am Flughafen Siegerland für einen Übungseinsatz [9]

In der Praxis bedeutet dies, dass Energie, die direkt am Flughafenstandort erzeugt und gespeichert wird, strategischen Wert gewinnt. Flughäfen können sich von reinen Verkehrsinfrastrukturen zu vollwertigen Energie- und Logistik-Hubs entwickeln. Im Normalbetrieb senken solche Hubs die Energiekosten, verbessern die Versorgungssicherheit und verringern die Abhängigkeit von übergeordneten Netzen. Sie können Lasten verschieben, Energie aus erneuerbaren Quellen speichern und bestehende Netzanschlüsse besser nutzen. In Krisenzeiten kann dieselbe Infrastruktur kritische Verbraucher, Rettungsdienste oder militärische Operationen mit Strom, Wärme, Kraftstoff und Logistikdienstleistungen versorgen. Dies trägt dazu bei, die Handlungsfähigkeit des Staates aufrechtzuerhalten, selbst wenn die umliegenden Systeme unter Stress stehen. Um dieses Potenzial zu realisieren, benötigen Flughäfen jedoch ein integriertes Energiesystem auf Standortebene, das Erzeugungsanlagen, Speicher, Ladeinfrastruktur und relevante Verbraucher miteinander verbindet.

Strategische Infrastruktur als praktische Klassifizierung

Nicht alle Regionalflughäfen müssen sofort als kritische Infrastruktur eingestuft werden, um eine wesentliche Rolle für die nationale Resilienz zu erfüllen. Ein pragmatischer Ansatz wäre die Anerkennung von Flughäfen als strategische Infrastruktur. Dies würde die stabilisierende Funktion regionaler Flughäfen anerkennen, ohne die volle regulatorische Last einer KRITIS-Einstufung aufzuerlegen.

Dies ist besonders relevant im Kontext aufkommender Sicherheitsherausforderungen. Der zunehmenden Häufigkeit von Drohnenvorfällen in Flughafennähe kann beispielsweise nur durch ein dezentrales Netzwerk von Flugplätzen wirksam begegnet werden. Große Drehkreuze wie Frankfurt, München und Berlin haben in den letzten Monaten alle Störungen durch unbefugte Drohnenaktivitäten erlebt. Der Flughafen München musste Anfang Oktober 2025 innerhalb von 48 Stunden zweimal den Betrieb einstellen, wovon fast 3.000 Passagiere betroffen waren [12][13]. Der Flughafen Berlin Brandenburg war im November 2025 mit ähnlichen Störungen konfrontiert [14]. Die deutschen Luftfahrtbehörden meldeten bis November 2025 insgesamt 208 Vorfälle, bei denen Drohnen eine Gefahr für bemannte Luftfahrzeuge darstellten [15]. Ein geografisch verteiltes System von Regionalflughäfen bietet Redundanz: Wenn ein Standort gestört ist, können andere wesentliche Funktionen übernehmen. Diese verteilte Resilienz ist ein strategischer Vorteil, der umso wertvoller wird, je vielfältiger und unvorhersehbarer die Bedrohungen werden.

Aus dieser Perspektive sind Investitionen in die Infrastruktur regionaler Flughäfen nicht nur eine Frage der Verkehrspolitik, sondern ein Beitrag zur nationalen Sicherheitsarchitektur. Durch die Aufrechterhaltung eines Netzwerks leistungsfähiger, gut angebundener Regionalflughäfen stärkt Deutschland seine Fähigkeit, auf Krisen zu reagieren, Zivilschutzoperationen zu unterstützen und wesentliche Luftverkehrsanbindung aufrechtzuerhalten, selbst wenn primäre Drehkreuze von Störungen betroffen sind. Eine formale Anerkennung regionaler Flughäfen als strategische Infrastruktur würde die politische Grundlage für gezielte Investitionen, vorrangige Behandlung bei der Netzplanung und Integration in nationale Resilienzstrategien schaffen, ohne dass jeder Flughafen die vollständigen Kriterien einer Einstufung als kritische Infrastruktur erfüllen müsste.

Ganzheitliche Entwicklung zum Energie-, Mobilitäts- und Logistik-Hub

Um dies zu erreichen, müssen Flughäfen nicht nur in einzelne Technologien investieren, sondern ihre Energiesysteme vor Ort als kohärentes Ganzes organisieren. Die Hauptherausforderung liegt weniger in der Verfügbarkeit oder den Kosten von Photovoltaik, Batterien oder Ladeinfrastruktur, sondern vielmehr in deren ganzheitlicher Koordination. Aus Sicht der kritischen Infrastruktur kommt es darauf an, dass lokale Erzeugung, Speicherung und kritische Lasten einheitlich überwacht und gesteuert werden können. Dies ermöglicht es Flughäfen, in Krisen wesentliche Verbraucher zu priorisieren, nicht wesentliche Nachfrage zu drosseln und ihre Rolle als Energie- und Sicherheitsknotenpunkte aufrechtzuerhalten.

Regionalflughäfen stehen bei der Realisierung solcher Transformationen vor vielfältigen Herausforderungen. Um zukunftsfähig zu sein, müssen solche Energiesysteme als integrierte Ganzheit geplant werden, damit Erzeugung, Speicherung und Verbrauch als einheitliche Architektur zusammenwirken. Dieses Maß an Koordination ist komplex und kostspielig. Vielen Regionalflughäfen fehlen das Personal, die Planungskapazität und der Investitionsspielraum, um solche langfristigen Transformationsprojekte eigenständig zu konzipieren und zu finanzieren.

Ein weiterer Engpass ist das Netz. Für die meisten Flughäfen ist der limitierende Faktor nicht die Verfügbarkeit von Photovoltaik oder Speichertechnologien, sondern die Fähigkeit, einen geeigneten Netzanschluss zu sichern, Kapazitäten auszuhandeln und Energieflüsse so zu integrieren, dass sowohl betriebliche Anforderungen als auch regulatorische Vorgaben erfüllt werden. Netzbetreiber reagieren jedoch positiv auf Projekte, die Erzeugung und Speicherung vor Ort umfassen, ihre eigene Grundlast mitbringen und primär in Zeiten geringer Eigenerzeugung aus dem Netz beziehen. Sie bevorzugen auch Projekte, die kritische Infrastruktur stärken, da diese Resilienzziele in ihren eigenen Netzen unterstützen. Diese Präferenz ist nicht gesetzlich verankert, spiegelt aber eine kommerzielle und betriebliche Logik wider. Regionalflughäfen fungieren, wie in diesem Beitrag gezeigt, de facto als kritische Infrastruktur und können diese Position in ihrem Dialog mit Netzbetreibern nutzen.

ALBATROSS wendet diesen Ansatz in laufenden Partnerschaften mit mehreren der oben genannten Regionalflughäfen an. In diesen Fällen entwickelt und betreibt ALBATROSS integrierte Infrastrukturen, die erneuerbare Energielösungen, Elektrifizierungsstrategien und Logistikinnovationen kombinieren. Die integrierten Standortkonzepte des Unternehmens verbinden Energieerzeugung, Speicherung und Verbrauch in einer langfristigen Perspektive, einschließlich Überlegungen zu Energieautonomie, Redundanz und Krisenbetrieb, die mit den KRITIS-bezogenen Erwartungen übereinstimmen. Dieser ganzheitliche Ansatz bietet Flughäfen eine strukturierte und technisch robuste Grundlage für Verhandlungen mit Netzbetreibern. Wenn Flughäfen eine konsistente langfristige Planung, Resilienzszenarien und klare betriebliche Prioritäten nachweisen können, sind Netzbetreiber weitaus eher bereit, Kapazitätserweiterungen und netzfreundliche Integration zu unterstützen.

Durch die Strukturierung von Investitionen über Kooperationsmodelle mit Energiedienstleistern oder institutionellen Investoren reduziert ALBATROSS die finanzielle Belastung für Flughäfen und beschleunigt die Umsetzung. Diese Projekte zeigen, wie die Idee regionaler Flughäfen als kritische Infrastruktur und Energie-Hubs in Betriebssysteme übersetzt werden kann, die Flughäfen für die aufkommende Generation von Flugzeugen mit alternativen Antriebssystemen positionieren.

Quellen:

[1] Importance of regional airport infrastructure – https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-10-2025-001864_EN.html

[2] Regionalpolitische Aspekte der Flughafeninfrastruktur- https://www.iwkoeln.de/studien/klaus-heiner-roehl-regionalpolitische-aspekte-der-flughafeninfrastruktur-53578.html

[3] SALIS – https://www.bundeswehr.de/de/organisation/unterstuetzungsbereich/logistik/strategischer-transport

[4] Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung – https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/flugbereitschaft-bundesministeriums-verteidigung-5358042

[5] Bundeskabinett beschließt Gesetzentwurf zum KRITIS-Dachgesetz – https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2025/09/kritis-dg-kabinett.html

[6] Neuregelung § 35 BauGB: Batteriespeicher ab 1 MWh künftig „privilegierte Vorhaben im Außenbereich“ – https://www.energie-experten.org/news/neuregelung-35-baugb-batteriespeicher-ab-1-mwh-kuenftig-privilegierte-vorhaben-im-aussenbereich#:~:text=Neuregelung § 35 BauGB%3A Batteriespeicher,künftig „privilegierte Vorhaben im Außenbereich“

[7] Bundeswehr-Fotos Wir.Dienen.Deutschland – https://www.flickr.com/photos/46257718@N02/6766182701

[8] Trainingsflüge der Bundeswehr, Airport Hof-Plauen – https://www.airport-hof.de/buerger-information/bundeswehr

[9] A400M at Siegerland Airport – https://www.wp.de/staedte/siegerland/article241557082/Tiefflug-uebers-Siegerland-Riesige-A400-der-Luftwaffe-landet.html

[10] Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz in Winningen – https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252007

[11] Hubschrauber über Lantershofen, der Heide und dem Ahrtal – https://lantershofen.de/hier-heute/neues-vom-dorf/2021/august/hubschrauber-ueber-lantershofen-der-heide-und-dem-ahrtal/

[12] Munich Airport – Press: Drone sightings at Munich Airport – https://www.munich-airport.com/press-drone-sighting-at-munich-airport-35709068 

[13] NBC News – Flights resume at Munich airport after drone sightings disrupt travel – https://www.nbcnews.com/world/europe/drone-sightings-disrupt-munich-airport-halt-flights-impact-thousands-rcna235327 

[14] Travel and Tour World – Europe Faces Chaos as Germany Suspends Flights at Berlin Airport – https://www.travelandtourworld.com/news/article/europe-faces-chaos-as-germany-suspends-flights-at-berlin-airport-due-to-drone-sightings-multiple-cancellations-impacting-zurich-heathrow-frankfurt-stockholm-and-more/ 

[15] Travel and Tour World – Germany’s Rising Drone Threat – https://www.travelandtourworld.com/news/article/germanys-rising-drone-threat-how-berlin-frankfurt-and-munich-airports-are-battling-growing-aviation-risks-heres-what-you-need-to-know-about-protecting-yourselves/ 

[16] AeroWest GmbH – Schnelligkeit, Bequemlichkeit und Zuverlässigkeit – https://www.brawogroup.de/aktuelles/detail/aerowest-gmbh-schnelligkeit-bequemlichkeit-und-zuverlaessigkeit 

[17] AeroWest – Ambulance – https://aerowest.net/ambulanz/?lang=en 

[18] DRF Luftrettung, Learjet 35A – https://www.drf-luftrettung.de/en/learjet-35a 

[19] Wildfire breaks out in Bohemian Switzerland – https://bohemiadventures.com/wildfire-in-bohemian-switzerland/ 

[20] A Croatian Air Force CL-415 during dire season – https://en.wikipedia.org/wiki/Canadair_CL-415#/media/File:Hrvatski_nebeski_vatrogasci_II.jpg 

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